Stellungnahme des Wirtschaftsclub zum Wirtschaftswachstum in Köln

Köln-Bonn. Die Verlangsamung des globalen Wirtschaftswachstums bekommen auch die Industriestandorte auf regionaler Ebene zu spüren - etwa im Kölner Raum. Betroffen ist in Teilbereichen das produziernde Gewerbe. Köln hat den Vorteil, dass der Dienstleistungssektor zum Wachstumsmotor für die Stadt geworden ist, so Marc E. Kurtenbach, Leiter der Niederlassung Köln von Merck Finck & Co und Vorsitzender des Wirtschaftsclub Köln e.V.

 

Das Weltwirtschaftswachstum wird sich 2008 verlangsamen. USA und Europa werden Wachstumsdellen erleben, die aber durch die Emerging Markets (Brasilien, China, Indien und Russland) ausgeglichen werden. Nach 4,8 Prozent weltweiten Wirtschaftswachstums im Jahr 2007 rechnet Merck Finck & Co, Privatbankiers für 2008 noch mit 3,5 Prozent Wachstum.

 

Verlangsamung des Wachstums in USA und Europa

Nach einem schwächeren Wachstum im vergangenen Jahr wird es auch 2008 zu einem schwächeren Wachstum in den USA und in Europa kommen. Grund dafür ist die auch in den ersten beiden Quartalen des neuen Jahres anhaltende Banken- bzw. Subprime-Krise. Die Banken vertrauen derzeit nicht aufeinander. Die hohe Bereitstellung von Geld durch die Notenbanken FED und EZB beschützen uns vor einem Finanzkollaps. Daneben hat die Fed bereits massiv die Zinsen gesenkt und wird dieses sicher auch 2008 weiter tun, um den Markt mit frischem Geld zu versorgen. Zinssenkungen von 1 bis 2 Prozent sind daher durchaus wahrscheinlich. In Europa wird die EZB ebenfalls keine Zinssteigerungsrunden einläuten. Die Zinsen am kurzen Ende bleiben 2008 also niedrig. Somit wird es nur zu einer Wachstumsdelle in den USA und in Europa kommen. Merck Finck & Co, Privatbankiers geht für das laufende Jahr daher von Wachstumsraten um 2 Prozent in beiden Wirtschaftsräumen aus.

Die USA profitieren durch die Zinsunterschiede zwischen USA und Europa auch von einem weiterhin schwachen US-Dollar, der die heimische Wirtschaft nach innen hin stärkt: Die amerikanischen Verbraucher greifen überwiegend zu günstigen heimischen Produkten. Gleichzeitig bildet der niedrige Dollar eine Markteintrittsbarriere vor dem Hintergrund verstärkter Exportanstrengungen der Europäer und Asiaten.

 

Regionale Bedeutung am Beispiel Köln

Gerade die vorlaufenden und damit konjunkturzyklischen Branchen wie Anlagenbau (Deutz), Automobilbau (Ford) und Chemie (Bayer) werden davon in ihrem Wachstum betroffen. Die Folge: Auch aus dem Kölner Blickwinkel sind diese Branchen belastet.

In Köln hat sich das vergangene Jahr sehr positiv gestaltet: Die Arbeitslosigkeit geht kontinuierlich zurück, alleine mehr als 12 000 Stellen entstanden im Dienstleistungssektor. Dort liegen auch die Stärken der nächsten Jahre: Wachstumsbranchen der Region sind die IT- und Medienwirtschaft, Rechtsanwälte und Steuerberatungskanzleien, Banken und die Versicherungsbranche. Gerade erst wurden mit Microsoft und der Aachen Münchener Beteiligung weltweit operierende Konzerne für die Domstadt gewonnen.

Auch auf dem Büro- und Gewerbeimmobilienmarkt gehört Köln zu den Gewinnern: Mehr als 25 Kräne 'zieren' allein den Bereich Rheinauhafen/Innenstadt/Deutz und zeugen so von der aufstrebenden Dienstleistungskultur der Stadt.

Daneben hat auch der Tourismus 2007 wieder um 4 Prozent zugenommen, während die Auslastung des Köln-Bonner Flughafens um 6 Prozent gestiegen ist.

Ausblick für die Region

Zukunftsprojekte sind angegangen worden oder befinden sich schon kurz vor der Fertigstellung. Dazu zählen der U-Bahn-Ausbau, der Masterplan für die Deutzer Rheinseite, der Rheinauhafen, der Ausbau der Godorfer Hafens, die Ansiedlung von IKEA in Ossendorf, die Neugestaltung des Banken- und Börsenviertels um das Dominium, die Neuplanung des ICE-Bahnhofes Deutz, die Neugestaltung des Barmer Viertels und der Ausbau der Musicalaktivitäten um den Herrn der Ringe. Last but not least schließt sich in dieser Aufzählung der Umbau des Bahnhofvorplatzes an.

Aus Sicht des Wirtschaftsclubs ist eine verbesserte gegenseitige Wahrnehmung von Verwaltung und Wirtschaft nötig. Der Wirtschaftsclub empfiehlt der Verwaltung, quartalsweise oder halbjährlich in Gesprächen mit den Unternehmen deren Wünsche genauer abzufragen, um so auch beim Ausbau der Wirtschaft stärkere Initiative zu demonstrieren. Heute beobachten wir vielfach noch ein eindimensionales Vorgehen: Die Verwaltung wartet, bis die Wirtschaft mit Ihren Wünschen auf die Stadt zugeht.

Somit bleibt im Kapitel Wachstum, Konjunktur und Regionen übergreifendes Ansehen der Stadt: Schafft der 1. FC Köln den Aufstieg in die 1. Bundesliga?

Köln ist national wie international bestens aufgestellt. Es macht uns stolz, als Vertreter der Wirtschaft an der Entwicklung Kölns beteiligt zu sein: Unser Herz schlägt für Köln!

 

Rasantes Wachstum auch bei Merck Finck & Co, Privatbankiers

Ein ähnliches Wachstum zeigt sich auch bei Merck Finck & Co, Privatbankiers: Im Jahr 2008 konnten die Privatbankiers in Köln bereits um weitere 6 Berater auf nunmehr 16 Mitarbeiter wachsen. Neben dem Bezug des neuen Domizils im Dominium am Ende des Jahres wird die Bank am 1. Juli eine Dependance in Koblenz eröffnen. In Aachen sind wir bereits seit dem 1. Januar mit einer Dependance vertreten. Auch das Bruttoergebnis konnte 2007 verbessert werden: Hier hat sich Merck Finck um 60 Prozent von 2,5 Mio. auf 3,9 Mio. Euro verbessert.

(Marc Kurtenbach)

zum Artikel business-on.de 03-2008











Infos zum Autor:

Herr Marc Kurtenbach
Direktor Merck Finck & Privatbankiers Köln
und Vorsitzender des Wirtschaftsclub Köln.