Köln, 05.06.2007

Ein illustres Podium traf sich gestern im Dom Hotel, um zum Thema "Stadt der Zukunft - Zukunft der Stadt" zu diskutieren. Prof. Dr. Brandes, International School of Design, Prof. Dr. Erlhoff, International School of Design, Katrin Rüffer, Geschäftsführerin Cologne Bonn Business, Thomas Knüvener und Anne Luise Müller, Leiterin des Stadtplanungsamtes der Stadt Köln. Moderiert wurde die Veranstaltung von Helmut Frangenberg aus der Lokalredaktion des Kölner Stadt-Anzeigers.
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Foto oben: Thomas Knüvener hört den Ausführungen von Prof. Dr. Brandes zu, die über die Nachtinszenierung der Metropole Hongkong berichtet. (v.l.n.r.)
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Prof. Dr. Erlhoff und Anne Marie Luise Müller diskutierten kontrovers über den erweiterten Designbegriff und Stadtplanung (v.l.n.r.)
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Die Diskussion soll Auftakt für eine Reihe zukunftsorientierter Veranstaltungen des Wirtschaftsclubs Köln sein, die sich mit der Stadt Köln und ihrer Ausrichtung beschäftigen. Analysiert werden sollte die Zukunft der Städte am konkreten Beispiel Kölns, sowohl aus soziologischer und wirtschaftlicher Sicht als auch aus stadtplanerischer Sicht, um unter anderem auch Schlüsse und Anregungen für die Orientierung von Unternehmen zu erhalten. Städte oder sogenannte Metropolregionen werden einen immer größeren Einfluss auf das Leben der Menschen und zwangsläufig auch auf die Effizienz der Wirtschaft nehmen, denn proportional zu den wirtschaftlichen Erfolgen der Regionen steigen auch die Lebens- und Entwicklungsmöglichkeiten der Menschen. Der Wohnwert einer Stadt wird zu einer bedeutsamen Zukunftsfrage. Begriffe wie "Europäische Stadt", "New Urbanism" oder "Wiederkehr des öffentlichen Raumes" stehen beispielhaft für Fragen der postmodernen Stadtentwicklung. Im Focus der Diskussion stand insbesondere, wie sich die Stadt Köln diesen Herausforderungen stellt.
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Prof. Dr. Erlhoff, Anne Luise Müller, Katrin Rüffer und Thomas Knüvener. (v.l.n.r.)
Neben Themen wie öffentlicher Raum, oder die Privatisierung des öffentlichen Raumes, seine Inszenierung, aber auch Vandalismus wurden auch Projekte wie die Regionale 2010 beleuchtet. Anne Luise Müller wies zu Beginn darauf hin, dass die Stadt Köln in den letzten 20 Jahren einen schwierigen Transformationsprozess durchgemacht habe, weg von der Industriemetropole hin zu einer Stadt der Medien und Dienstleistung. Hier habe sich die Stadt nach Ansicht des Stadtplanungsamtes qualifiziert und den Anschluss an andere Städte gefunden. Wie schwierig aber auch heute noch die Prozesse und Diskussionen sind, mag die Verlagerung von nkt cable zeigen. Zwar geben alle Beteiligten ein eindeutiges Statement ab für den Erhalt der Industriearbeitsplätze, müssen dann aber womöglich das stadtplanerische schon erarbeitete Konzept ehemaliges KHD Gelände aufgeben. Dieser Prozess ist noch im Gang. Müller forderte aber auch die Bürger auf sich selbst mehr für den öffentlichen Raum zu engagieren und ihn "nicht nur zu benutzen".
Katrin Rüffer, die Geschäftsführerin von Cologne Business sieht die Entwicklung der Region hin zu einer Metropolregion als Aufgabe und Verantwortung, insbesonders in den Bereichen Infrastruktur, Bevölkerungszuwachs, Forschung und Entwicklung und verwies auf die Erfolge die man schon vorweisen kann. So sei kaum bekannt, dass die Region Köln, welweit an dritter Stelle unter den Chemiestandorten stehe, nach Houston und Rotterdam/Amsterdam. Rüffer forderte die Stadt auf das Potenzial junger Unternehmer zu erkennen und zu fördern.
Prof. Erlhoff wünscht sich dass neben der Geschichte, jeder Bürgermeister beginne seine Rede mit den Römern, auch die Zukunft mehr in den Vordergrund gerückt werde. Er sieht die lange Tradition und das Festhalten an konservativen Werten als Kraft aus der sich die Dynamik der Zukunft entwickeln kann, forderte aber die Macher aus Politik und Verwaltung auf, die Potentiale zu entdecken und deren Möglichkeiten zu nutzen. Als ein Beispiel nannte der Professor die 100.000 Studenten die in Köln leben, oder die kulturelle Vielfalt. Die Kölner Plätze, den Neumarkt bezeichnete Erlhoff als Loch, seien in einem desaströsen Zustand und regte an Touristen mehr als nur den Dom zu zeigen. Ein großes Potenzial sieht Erlhoff auch in der bisher nicht vorhandenen Vernetzung von Stadträumen, nannte hierfür immer noch die Trennung des Links- und Rechtsrheinischen, auch in den Köpfen der Menschen und kritisierte die nächtliche Lichtgestaltung der Stadt.
An der sich anschließenden Diskussion zur nächtlichen Illumination der Stadt konnte man herrlich verfolgen, wie die einen sich selbst genug sind und die "Beleuchtung" der Stadt als ausreichend und schön empfanden und Prof. Brandes forderte sich andere Städte, wie zum Beispiel Hongkong einmal anzusehen und deren Konzepte, nicht nur der Inszenierung, sondern auch deren ökonomische und ökologischen Prinzipien der Lichtgestaltungen und daraus Rückschlüsse für das eigene Handeln zu suchen. Architekt Knüvener forderte vor allem für die Ringe als einem der urbansten Räume Kölns ein Konzept. Zur Vernetzung warf Müller ein, der Wettbewerb zum Rheinboulevard und die spätere Realisierung werde die Vernetzung der beiden Stadthälften entschieden voranbringen. Knüwener kritisierte schon den Wettbewerb, dass dieser nicht offen gestaltet wurde und vor allem auch als ergebnisoffener Wettbewerb an dem sich auch junge Büros beteiligen können ausgeschrieben wurde.
In einem weiteren Themenblock forderte Prof. Brandes die Kölnerinnen wieder auf sich auf die Kraft ihres Bürgersinns zu verlassen, erinnerte an des Projekt Art Cologne oder das in diesem Jahr zum ersten Mal stattfindende Festival Rheindesign. Es reicht nicht aus immer nur nach dem "et hät noch immer jotjejange" zu agieren, sondern man muss sich aktiv beteiligen.
Mit dem eloquenten Podium bewies der Wirtschaftsclub einmal mehr, sich aktiv an der Diskussion um Köln und den Herausforderungen der Stadt für deren Wirtschaft und die Zukunft zu beteiligen. Damit beteiligt der Club seine Mitgliedern an den interessanten Impulsen, Anregungen und Erkenntnissen derer, die sich in den entscheidenden Positionen der städtischen Politik und Verwaltung um die wirtschaftliche Entwicklung kümmern und neue Leitbilder formulieren.
Hinweis der Redaktion: Der Artikel gibt nur einen Teil der Diskussionspunkte wieder, die Veranstaltung widmete sich noch vielen weiteren Themen.
Andi Goral für report-k.de / Kölns Internetzeitung
zum Artikel report-k.de 06-2007