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Steuermann im Sturm
Wie es jetzt weitergeht
Kolumne von Marc E. Kurtenbach
Ein Freund fragte mich neulich, ob ich wisse, was ein Optimist sei. Die üblichen zwei Gläser kommen einem sofort in den Sinn: halbvoll oder halbleer, das kennt man. Die gesuchte Antwort war witzig gemeint: Ein Optimist ist ein Banker, der am Sonntagabend fünf Hemden bügelt.
Wer es noch nicht weiß: Die Stimmung gegenüber den Banken ist derzeit nicht die Beste. Zu Recht, könnte man sagen - und doch wieder nicht: "Die" Bank hat es nie gegeben, und "den" Kunden auch nicht. Während es sich eingebürgert hat, für die gegenwärtige Krise die weltweite Finanzelite verantwortlich zu machen, mehren sich die Stimmen derer, die für eine differenzierte Betrachtung plädieren. Da gebe es auch jene vornehmen Banken, hört man dann: Jene Häuser, die ihre Kunden tatsächlich beraten haben; also wirklich den Bedarf und die Risikoneigung aus ihren Kunden herauszukitzeln vermochten, als ihnen schonungslos das jeweilige "Produkt der Woche" anzudrehen.
Was ist da passiert, am Markt? Ist der Kunde gieriger geworden oder die Bank? Überhöhte Erwartungen sind auf beiden Seiten problematisch. Der in der Vergangenheit sehr lang anhaltende Aufwärtstrend hat dies gefördert. Einerseits wird man also künftig die Renditeerwartungen etwas nüchterner sehen. Andererseits müssen einige Häuser wieder lernen, dass der Kunde mündig ist, und ihn auch dementsprechend beraten.
Doch was geschieht nun, wie geht es weiter an den Märkten? Alle Prognosen operieren derzeit mit zahlreichen Unbekannten. Dabei gibt es auch zahlreiche Gründe für Optimismus. Erstens: Die großen Banken haben ihre Bestände der so genannten Toxic Assets, welche die Bilanzen wie Blei nach unten ziehen, im Jahr 2008 in erheblichem Umfang reduziert. Zweitens: Die staatlichen Konjunkturprogramme werden in den gängigen Katastrophenszenarien kaum berücksichtigt. Mit den Bestrebungen der US-Notenbank lässt sich so für die 2. Jahreshälfte eine konjunkturelle Erholung erhoffen. Drittens: Schwellenländer entwickeln sich zum Motor der Weltwirtschaft. Trotz starker Einbußen geht es in China beispielsweise mit einem Wachstum von 5 Prozent noch immer aufwärts. Viertens: In Europa gehen das Kreditvolumen und das Geldmengenwachstum deutlich zurück, obwohl die Geldmenge immer noch über dem Korridor liegt. Hier zeigen die über lange Zeit restriktive Politik der EZB und die neuerdings den Verwerfungen angepasste Kreditvergabe der Banken erste Wirkung. Fünftens: Der Euro hat sich von seinem historischen Höchststand gegenüber dem US-Dollar im Sommer 2008 verabschiedet, was der europäischen Exportindustrie weitere Impulse geben dürfte. Wieder einmal zeigt sich, dass man eine Angelegenheit von zwei Seiten betrachten kann. Die Sache mit dem halbvoll und dem halbleeren Glas.
Die eine oder andere Hiobsbotschaft werden wir dieses Jahr noch hinnehmen müssen. Ich glaube jedoch fest an das Potenzial der Region Köln-Bonn. Die Kölner Unternehmen haben 2007 einen Umsatz von über 55 Mrd. Euro erwirtschaftet. Mit kluger Politik müssen wir nun dafür sorgen, dass dieses Potenzial ausgebaut und nicht geschrumpft wird. Dies ist mir auch in meiner Eigenschaft als Wirtschaftsbotschafter der Stadt Köln ein persönliches Anliegen. Auch der Bonner Raum prosperiert: Seit dem Regierungsumzug hat die Zahl der IHK-Unternehmen um fast 50 Prozent zugenommen.
Lassen Sie sich also zur Zuversicht raten! Den guten Steuermann erkennt man bekanntlich im Sturm. Daher hoffe ich, dass Ihr Bankberater fest an Ihrer Seite steht und Sie, und wir alle, wir bald wieder rosige Zeiten erleben.
Marc E. Kurtenbach
Leiter Privatkunden der Kölner Niederlassung von Merck Finck & Co, Privatbankiers und Vorsitzender des Wirtschaftsclubs Köln.
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