99 Freunde sollt Ihr sein

In einer Mannschaft ist persönliche Bindung entscheidend für die Leistungsbereitschaft des Einzelnen und das Engagement des ganzen Teams. Trainerlegenden wie Sepp Herberger und Franz Beckenbauer sind dieser Weisheit folgend Weltmeister geworden, und der Wirtschaftsclub Köln adaptiert sie für die Unternehmen rund um den Dom. Das Wirtschaftsblatt saß für den ersten Beitrag der neuen Reihe "Netzwerke" mit am Tisch.

v. l.: Dr. Herbert Ferger, Geschäftsführer der IHK Köln, Jürgen Sziegoleit(Direktor des Kölner Dom Hotels), Marc Herbrand (Vorstand WK), Christian Kerner (2. Vorsitzender WK) beim Neujahrsempfang des Wirtschaftsclubs

Wirtschaft hat etwas mit netten Menschen zu tun", behauptet Christian Kerner, zweiter Vorsitzender und Organisator des Kölner Unternehmerkreises, und lässt mit einem Schmunzeln offen, welche "Wirtschaft" er meint. Wenn sich die Mitglieder des 2005 gegründeten Vereins jeden ersten Dienstag im Monat in der Sir Peter Ustinov?s Bar des Dom-Hotels treffen, sind die Grenzen zwischen geselliger Runde und unternehmerischem Handeln jedenfalls fließend. Und das ist Programm: "Voraussetzung für eine Mitgliedschaft im Wirtschaftsclub ist, dass man zu uns passt und sich mit den anderen Mitgliedern versteht.

Der Rest kommt dann wie von selbst." Mit dem "Rest" meint der Fachanwalt für Arbeitsrecht "die Bündelung und Konzentration von Ideen, Konzepten und Projekten sowie die Nutzung sinnvoller Synergie- und (Cross-) Marketingeffekte", wie es auf der Webseite des Vereins zu lesen steht. "Wir wollen aber keine Einkaufsgemeinschaft oder eine reine Werbeplattform für unsere Produkte und Dienstleistungen sein, wir leisten konkrete inhaltliche und gesellschaftliche Arbeit zum Wohle unserer Mitglieder und der Kölner Unternehmerschaft."

 

Schwerpunkt Ethik 

Diese Arbeit zeigt sich vor allem in der Organisation von Diskussionsrunden und Vorträgen mit fachlich versierten Persönlichkeiten, die teils aus den eigenen Reihen, teils von außerhalb des Vereins rekrutiert werden. So konnten bereits der Kölner Wirtschaftsdezernent Dr. Norbert Walter-Borjans oder Dr. Herbert Ferger, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln, als Referenten gewonnen werden. Ein Schwerpunkt bei der Themenauswahl ist beispielsweise die Unternehmensethik: Wie sollen sich Unternehmer und Unternehmen darstellen, wie sollte der richtige Umgang mit den Mitarbeitern, mit Ressourcen und der Umwelt gepflegt werden? Wie können Unternehmen dazu beitragen, dass der Wirtschaftsraum Köln sich in Zukunft besser entwickelt? Diese und ähnliche Fragen werden in Expertenrunden und auf Podiumsdiskussionen, auf dem Golfplatz, bei Vernissagen oder exklusiven Unternehmensbesichtigungen und allen weiteren Veranstaltungen, die der Vorstand den Mitgliedern anbietet, debattiert.

 

Voraussetzung "offen sein"

Da Freundschaft nicht beliebig ist, sollte die Mitgliederzahl des Wirtschaftsclubs zunächst einmal begrenzt sein. Je zwei, maximal aber drei Mitglieder kommen aus derselben Branche. Steuer- und Wirtschaftsberatungen, Rechtsanwälte, Versicherungsmakler und Verbände finden sich ebenso im Wirtschaftsclub wie Modefachleute, Hoteliers und Immobilienmakler. "So wollen wir die Heterogenität des Vereins erhalten und verhindern, dass wir immer nur in eine Richtung denken," erklärt der zweite Vorsitzende, um gleich nachzusetzen: "Generell sind wir jedoch für jeden offen."

 

Seine Flexibilität beweist der Wirtschaftsclub auch bei der Form der Mitgliedschaft. Ganze Unternehmen können ebenso Mitglied werden wie Einzelkämpfer. Firmen mit mehr als zehn Beschäftigten zahlen 600 Euro Jahresbeitrag, die Einzelmitgliedschaft kostet 360 Euro per anno. "Wir wollen uns in Köln positionieren, wollen Ansprechpartner für Politik, Verwaltung und Wirtschaft gleichermaßen sein", erläutert Christian Kerner die zukünftige Ausrichtung des Clubs. "Die Kölner verlassen sich zu sehr auf den Dom, um sich darzustellen. Wir müssen uns als Wirtschaftsstandort stärker positionieren, sonst werden wir irgendwann den Zug verpasst haben."

zum Artikel wirtschaftsblatt 06-2007